Zwischen Präsenz und Selbstverständnis: Impulse zur Psychiatrieseelsorge mit Bernhard Stocker
Die Begleitung von Menschen in psychischen Krisen erfordert Fingerspitzengefühl, ein klares Rollenverständnis und die Bereitschaft, starre Konzepte loszulassen. Um diese zentralen Aspekte zu vertiefen, durften wir im Rahmen unserer Weiterbildung zur Krankenhausseelsorge einen geschätzten Kollegen aus Wien begrüßen: Mag. Bernhard Stocker, erfahrener klinischer Seelsorger für psychiatrische Abteilungen, gestaltete mit uns einen intensiven und inspirierenden Studientag zum Themenfeld der Psychiatrieseelsorge.
Im Zentrum des Austauschs standen nicht nur theoretische Ansätze, sondern vor allem die Frage nach unserem eigenen Selbstverständnis als Seelsorgende in einem hochsensiblen medizinischen Umfeld.
Vielfalt der Ansätze: Wie gelingt Seelsorge in der Psychiatrie?
In der Diskussion wurde schnell klar: Die eine richtige Methode gibt es nicht. Vielmehr durften wir verschiedene seelsorgliche Ansätze reflektieren, die sich stark an der Lebensrealität der Patientinnen und Patienten orientieren.
Das Prinzip der „reinen Präsenz“: In der Psychiatrieseelsorge geht es oft weniger um das gesprochene Wort als um das bloße „Da-Sein“. klinische Seelsorgerinnen und Seelsorger verstehen sich als Weggefährten, die auch das Schweigen, die Ohnmacht und widersprüchliche Emotionen mit den Betroffenen aushalten.
Begegnung auf Augenhöhe: Die Entscheidung, ein Gespräch zu suchen, liegt immer ganz bei den Patienten. Seelsorge agiert hier frei von therapeutischem Druck oder Diagnosezwang – sie bietet einen geschützten Raum, in dem Betroffene angstfrei und befreit reden können.
Ressourcenorientierung: Religiöse Symbole, Rituale oder vertraute Gebete können Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Gleichzeitig gilt es, die individuelle, oft von Brüchen gezeichnete Spiritualität der Menschen bedingungslos zu respektieren.
Unser Selbstverständnis auf dem Prüfstand
Wer sind wir für die Menschen auf einer psychiatrischen Station? Wer sind wir auf anderen Stationen? Bernhard Stocker spornte uns an, unser professionelles und persönliches Selbstverständnis kritisch zu hinterfragen. Seelsorgende sind im Klinikalltag Bindeglied und Freiraum zugleich.
Wir agieren im interdisziplinären Kontext gemeinsam mit dem medizinischen und pflegerischen Personal, dennoch unterliegen wir in einem höheren Masse der Unabhängigkeit, die den Patientinnen und Patienten einen bewertungsfreien Raum garantiert.
Dieses Vertrauen zu rechtfertigen und Menschen in ihren tiefsten existentiellen Krisen aufzufangen, bildet den Kern unserer Arbeit.
Fazit: Gestärkt für den Dienst an der Seele
Der Studientag hat uns wertvolle Impulse und neue Perspektiven für unsere tägliche Praxis geschenkt. Wir nehmen die Erkenntnis mit nach Hause, dass gelungene Psychiatrieseelsorge vor allem Mut erfordert – den Mut, sich auf das Unvorhersehbare einzulassen und den Menschen genau dort zu begegnen, wo sie sich in ihrer psychischen Verfassung gerade befinden.
Ein herzlicher Dank gilt Bernhard Stocker für seine Offenheit, seine fundierte Expertise und den lebendigen kollegialen Dialog aus Wien!
Im stimmungsvollen Grazer Minoritensaal fand am Dienstag, dem 18. November 2025, das Plenartreffen der Krankenhaus- und Pflegeheimseelsorger:innen statt.
Einsamkeit verstehen und begegnen
Unter dem Thema „Einsamkeit verstehen und begegnen“ widmete sich die Tagung einem vielschichtigen und oft stillen Phänomen. Einsamkeit, so betonte die Referentin Ass.-Prof. Dr. phil. Mareike Ernst MSc. Psych., gehöre zu den schmerzhaftesten menschlichen Erfahrungen und könne Menschen in jedem Alter und in unterschiedlichsten Lebenssituationen betreffen. Sie sei häufig unsichtbar und verberge sich oft hinter anderen Anliegen – eine Herausforderung, der Seelsorgende in Pflegeheimen und Krankenhäusern besonders sensibel begegnen müssen.
Weihbischof Freitag dankte allen, die diesen Dienst leisten: Es gibt sie, die Engel des Lichtes – Frauen und Männer, die Segen bringen in das Dunkel und die Nächte unserer Tage. Wir wären bedeutend ärmer ohne sie.
(Homepage der Diözese Graz Seckau)
Nach dem stärkenden Mittagessen gab es ein vielzahl an Thementischen - IFP, SALZ, Stille Begleiter APP, Besuchsdienst der Stadtpfarre Graz, Hospiz und einiges mehr, wo man sich informieren und gut ins Gespräch kommen konnte. Den Abschluss bildete das Podiumsgespräch mit Vertretern aus der Pflegeheimseelsorge, Hospiz, Telefonseelsorge, sowie der Referentin Dr. Mareike Ernst und Weihbischof Johannes Freitag.
"Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (Römer 5,5)
Der Welttag der Kranken findet jährlich am 11. Februar statt. Dieser Tag wurde von Papst Johannes Paul II. eingeführt und will am Gedenktag unserer lieben Frau von Lourdes all unsere Kranken in den Mittelpunkt stellen.
Im Sonntagsblatt für Steiermark sind folgende Beiträge zu finden!
Der 7. Ökumenische Lehrgang für ehrenamtliche MItarbeiter:innen in der Krankenhausseelsorge wurde am 25. November 2024 mit der Zertifikatsverleihung abgeschlossen.